Liberal und Weltoffen – die 5. Schweiz im Wahljahr

Die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer werden die Wahlen im Herbst 2019 nicht alleine entscheiden. Aber sie können in vielen Kantonen das Zünglein an der Waage spielen. Wer sind sie? Wie ticken sie politisch und warum sind sie für die FDP eine lohnende Zielgruppe?

761 930 – so viele Schweizerinnen und Schweizer leben laut offiziellen Zahlen im Ausland. Damit wäre die 5. Schweiz der drittbevölkerungsreichste Kanton nach Zürich und Bern. Geografisch verteilt sich die 5. Schweiz zwar über den ganzen Erdball, aber mit über 60% entfällt der grösste Anteil auf Europa, insbesondere die Nachbarländer. Demographisch wiederum sind die Menschen im Schnitt jünger und zählen mehr Frauen als die Bevölkerung zu Hause. Nicht zu unterschätzen ist der grosse Anteil sogenannter Expats: Leute, die einen Abschnitt ihres Lebens im Ausland verbringen, sei dies fürs Studium, weil sie für die Schweizer Exportindustrie irgendwo auf der Welt tätig sind, oder weil sich ganz einfach die Liebe nicht an die Landesgrenze gehalten hat.

Die politischen Rechte

Ihre politischen Rechte üben die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer im letzten Wohnkanton aus. Bei den Nationalratswahlen verfügen sie in allen Kantonen über das aktive und passive Wahlrecht, bei den Ständeratswahlen in den meisten. Ihre Stimmbeteiligung liegt im Schnitt allerdings tiefer. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ab der zweiten Generation fällt sie aus naheliegenden Gründen, denn die politische Realität der Schweiz entfernt sich, während sich die Integration im neuen Land vollzieht – eine Entwicklung, die wir auch bei Secondos in der Schweiz feststellen und die ja durchaus zu begrüssen ist. Wichtig sind aber auch Hindernisse im Abstimmungsprozess. Oft kommen die Unterlagen einfach nicht rechtzeitig oder gar nicht an. E-Voting bleibt daher auch ein zentrales Anliegen dieser Wählergruppe, welche hier eine direkte Betroffenheit spürt. So ist denn die Beteiligung in jenen Kanton, welche ihren Auslandschweizern diese Möglichkeit anbieten, auch nachweisbar grösser. 

Liberal und Weltoffen

Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer stimmen im Vergleich sowohl in gesellschaftlichen wie in wirtschaftspolitischen Fragen liberaler und weltoffener ab, als die zuhause gebliebenen. Ihr smartspider verrät ein politisches Profil, für welches die FDP das richtige Angebot bereit hält. Trotzdem konnte in der Vergangenheit die SP bei nationalen Wahlen überdurchschnittlich punkten bei den Stimmen der 5. Schweiz, sie ist dort gar die stärkste Partei. Das muss nicht sein! 

Als wichtigstes politisches Thema nennen ganze 47% der Auslandschweizer die Europapolitik (im Inland sind es die Gesundheitskosten). Auch das ist eine grosse Chance für die FDP, denn mit einer konstruktiven und fortschrittlichen Europapolitik, die einsteht für die Zukunft des bilateralen Weges, kann sie sich gerade auch bei den Auslandschweizern profilieren. Nicht zuletzt deshalb, weil die SP in dieser Frage ein Trauerspiel abliefert und sich unter dem Diktat der Gewerkschaften lieber zur SVP in den Schützengraben legt, als die Werte und Interessen der Schweiz zu vereidigen.


Autor: Roger Kölbener, Präsident FDP International